Stellungnahme zur aktuellen Diskussion im Bundestag zum Thema »Tierschutz bei Schlachttieren«

Tönnies

Im Zusammenhang mit der aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Deutschen Bundestag zum Thema „Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren“ möchten wir Ihnen hiermit unsere Position darstellen.

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Tönnies Unternehmensgruppe mit der ständigen Verbesserung des Tierschutzes. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die praxistaugliche Entwicklung einer schonenden Schlachtung gelegt.
Die von uns verwendete CO2-Betäubung mit Gruppenzutrieb führt unter Praxisbedingungen zu hervorragenden Ergebnissen hinsichtlich Fleischqualität und Haltbarkeit.

Unsere Bemühungen und Erfahrungen haben gezeigt, dass die Betäubung für sich nicht einzeln betrachtet werden kann. Vielmehr ist die Gesamtkonzeption eines Schlachtbetriebes von Bedeutung, bei der alle Schritte von der Entladung, über die Aufstallung, den Zutrieb zur Betäubung, die Betäubung, die Entblutung und die Kontrolle der Entblutung ganzheitlich betrachtet und auf einander abgestimmt sind.

Die in unseren Betrieben erzielten Ergebnisse - gerade hinsichtlich Tierschutz, Haltbarkeit, Zartheit und Fleischqualität - zeigen deutlich, dass bei sinnvoller und verantwortungsvoller Anwendung moderner Technik, Tierschutz und Fleischqualität nicht nur in Einklang zu bringen sind, sondern sich regelrecht potenzieren.

Die Behauptung der Bundesregierung über mangelhaft betäubten Tieren trifft somit auf unsere Schlachtbetriebe nicht zu. Die nachfolgenden Details geben einen Einblick in die einzelnen Maßnahmen

Betäubung

Wir betreiben unsere CO2 – Anlagen zur Betäubung mit der sogenannten Tiefenbetäubung. Dies bedeutet, dass die Tiere in einer Gondel in 92%ige CO2 Atmosphäre verbracht werden. Dies ist notwendig, damit die Tiere so schnell wie möglich die volle Konzentration des Narkosegases einatmen.

Die eingesetzte CO2-Konzentration wird kontinuierlich über ein Atmosphärenmessgerät überwacht und aufgezeichnet. Des Weiteren verfügt die Betäubungsanlage über ein Warnsystem, wobei bei Abweichungen von der vorgeschriebenen Konzentration ein optisches und akustisches Warnsignal erfolgt und eine manuelle Nachbetäubung durch die Mitarbeiter durchgeführt werden kann.

Die so durchgeführte Tiefenbetäubung gewährleistet eine 100%igen Betäubungserfolg vor und bei der Entblutung. In regelmäßigen Abständen wird der Erfolg zusätzlich durch die Überprüfung des Corneal-Reflexes im Rahmen der Eigenkontrolle überwacht.

Entblutung

Entgegen den Antworten der Bundesregierung kommen spezifische Kontrollsysteme beim Entbluten der Tiere zum Einsatz, die das beim Entbluten abgeführte Blut messen und bei zu geringem Blutaustritt unmittelbar ein optisches und akustisches Warnsignal auslösen, welches zu einer Nachbehandlung der betreffenden Tiere führt.

Hierzu wird durch einen zusätzlichen Mitarbeiter manuell nachgestochen und es verbleiben weitere 1,5 Minuten, bis die Tiere die Brühung erreichen.
Reaktionen auf thermische Einwirkungen  sind somit ausgeschlossen.
Die sorgsame Entblutung des einzelnen Schlachttieres und der damit verbundene sichere Tod des Tieres vor Beförderung in die Brüheinrichtungen ist für Schlachtbetriebe neben dem Tierschutzaspekt zudem auch ökonomisch bedeutend.

Denn sofern ein lebendes Tier in die Brüheinrichtung gelangt, ist dies anschließend anhand der Verfärbung des Schlachtkörpers eindeutig identifizierbar. Solche Schlachtkörper werden bei der amtlichen Schlachttieruntersuchung als für die menschliche Ernährung untauglich beurteilt.

Tierschutzrelevante Rahmenbedingungen

Die oben beschriebene Vorgehensweise der CO2-Betäubung und kontrollierten Entblutung ist Grundvoraussetzung für eine ganzheitliche tierschutzgerechte Behandlung der Tiere während des Schlachtvorgangs.

Auch die Behandlung vor der Betäubung im Stall und während des Zutriebes hat maßgeblichen Einfluss auf das Stressempfinden der Tiere und zwar auch während der Betäubung. Zu den weiteren Rahmenbedingungen zählt bei uns beispielsweise ein gruppenweiser Zutrieb, der den normalen Bedürfnissen der Schweine nach Rottenbildung entgegen kommt. Das Vereinzeln oder Isolieren von Schweinen dagegen würde Stress durch Angst verursachen.

Die Vermeidung von Stress vor der Betäubung wird darüber hinaus durch eine spezielle Konstruktion der Entladeeinrichtungen und des Stalls gefördert. So ist z.B. der gesamte Weg von der Entladung bis zur Betäubung bergan konstruiert, da Schweine naturbedingt gern bergauf laufen.

Gleichzeitig wird der Aufenthalt im Stall durch eine Fußbodenheizung und damit durch Klimatisierung so angenehm wie möglich gestaltet. Eine Schallschutzdecke sorgt zusätzlich für eine Reduzierung des Schallpegels. Alle Warteabteile sind mit genügend Tränken ausgerüstet, die die Tiere mit Trinkwasser versorgen.

Zur erweiterten Wärmeabfuhr und klimatischen Optimierung werden die Wartebuchten mit Wassernebel benetzt.

Weiterhin wird das Stallpersonal regelmäßig durch Experten in Fragen des Tierschutzes und des spezifischen Umgangs mit Schweinen geschult und sensibilisiert.

Das konsequente Stallmanagement sorgt für die strikte Einhaltung der Ausruhphase nach dem Transport. Im Ablade- und Stallbereich ist ständig ein amtlicher Veterinär vor Ort.

Abschließend möchten wir betonen, dass wir alle sinnvollen Arten des Tierschutzes unterstützen und wir uns weiter für eine Verbesserung einsetzen. Hierzu haben wir im März 2010 die Tönnies Forschung „Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Forschung über die Zukunft des Tierschutzes in der Nutztierhaltung mbH“ gegründet. Innerhalb dieser Gesellschaft wird das Thema Betäubung als separates Projekt noch weiter zukunftsorientiert gefördert.

Die Summe der getroffenen Maßnahmen und die etablierten Einrichtungen und Techniken sorgen dafür, dass der größtmögliche Anspruch an den Schutz des Nutztieres in unseren Betrieben vollumfänglich gewährleistet ist.

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